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Startup Cardisio sagt Herzinfarkten und Covid-bedingten Herzschädigungen den Kampf an

Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen Gastbeitrag des Frankfurter Startup „Cardisio“.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die mit Abstand häufigste Todesursache in Deutschland. Insbesondere junge Menschen unterschätzen diese Gefahr – dabei schlagen Herzerkrankungen bei weitem nicht nur in der zweiten Lebenshälfte zu. Hinzu kommt, dass traditionelle Präventionsmaßnahmen entweder zu ungenau oder zu risikoreich sind. Hier setzt das Frankfurter Startup „Cardisio“ an, indem es mit Hilfe von KI die Herzvorsorge leichter und präziser gestaltet. Dieser Ansatz wird in unserem heutigem Gastbeitrag präsentiert.

Druck und Beklemmung im Oberkörper, Brustschmerzen, die in den linken Arm ausstrahlen und Übelkeit oder Schweißausbrüche: all diese Symptome können auf einen Herzinfarkt, also den Verschluss eines oder mehrerer Herzkranzgefäße hindeuten. In diesem Fall besteht immer Lebensgefahr und somit akuter Handlungsbedarf. Das Tückische ist jedoch, dass einem Herzinfarkt in den meisten Fällen eine bereits lang bestehende und oftmals unbemerkt voranschreitende Herzerkrankung zugrunde liegt. Der Infarkt ist dann das erste aber auch extrem gefährliche Symptom des Leidens, dass viele Betroffene aus heiterem Himmel ereilt. Umso wichtiger ist es, etwaige Herzerkrankungen frühzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen ergreifen zu können. Dem Startup Cardisio ist es nun gelungen, eine Methode zu entwickeln, die die Überprüfung der Herzgesundheit erleichtert und präzisiert.

Die Cardisiographie: Eine Herzensangelegenheit

Cardisio wurde 2016 in Frankfurt a.M. mit dem Ziel gegründet, die Herzprävention zu revolutionieren. Dieser Wunsch entstand jedoch nicht im luftleeren Raum. Denn Meik Baumeister, heutiger CEO und Mitbegründer von Cardisio, erfuhr am eigenen Leib, wie gefährlich Herzkrankheiten sind – vor allem wenn sie unerkannt und symptomfrei fortschreiten.

„Als junger und sportlicher Mitarbeiter einer IT-Abteilung war Herzgesundheit für mich nie ein Thema“, berichtet Meik Baumeister. „Der Herzinfarkt kam für mich daher wie aus dem Nichts.“ Sein Überleben verdankt Baumeister nur seiner schnellen Reaktion als er sofort den Krankenwagen rief. Dieses einschneidende Erlebnis war der Auslöser für die Gründung von Cardisio. Zusammen mit Klaus, Burghardt und Gero Tenderich entwickelte Meik Baumeister die sogenannte „Cardisiographie“.

„Eine schnelle und niedrigschwellige Früherkennung von Herzerkrankungen ist besonders wichtig. Denn Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen mit 35,3 Prozent nach wie vor die mit Abstand häufigste Todesursache in Deutschland dar“, beschreibt Meik Baumeister die Mission von Cardisio.

Nicht präzise genug oder zu risikoreich: Die traditionellen Methoden zur Herzprävention

Die bekannteste Methode zur Überprüfung der Herzgesundheit ist nach wie vor das Belastungs-EKG. Leider ist dieses Verfahren was Zuverlässigkeit und Präzision anbelangt nur sehr begrenzt aussagekräftig. So weist das Belastungs-EKG nur eine Sensitivität von 45-50 Prozent auf. Es erkennt also nur in gut der Hälfte der Fälle, ob ein Herz erkrankt ist.

Natürlich gibt es auch aufwendigere Methoden wie die Herzkatheteruntersuchung, die bislang den Goldstandard darstellt. Diese ist jedoch sehr aufwendig und zudem risikoreich, da das Verfahren invasiv und somit körperlich belastend ist. Für eine Standardpräventionsmethode ist der Katheter also ungeeignet.

Die Cardisiographie hingegen basiert auf dem schon länger bekannten Verfahren der Vektorkardiographie, bei der diese Probleme nicht bestehen, da sie sowohl nicht-invasiv als auch hochpräzise ist. Trotzdem kam die Methode in der Vergangenheit nur selten zum Einsatz, da die gewonnen Daten nur von hochspezialisierten Experten mit viel Aufwand richtig interpretiert werden konnten.

Bei der Cardisiographie handelt es sich um eine Weiterentwicklung der Vektorkardiographie. Sie funktioniert in der Anwendung ähnlich unkompliziert, wie ein klassisches EKG. Auch hier werden mehrere Elektroden auf die Brust geklebt, die die elektrische Aktivität des Herzens messen. Im Gegensatz zum klassischen EKG wird bei der Cardisiographie allerdings eine weitere Elektrode am Rücken angebracht, die es ermöglicht, den Herzmuskel im dreidimensionalen Raum zu vermessen und so deutlich aussagekräftigere Daten zu sammeln. Diese hochkomplexen Daten werden nun durch einen KI-Algorithmus ausgewertet und – anders als bei der ursprünglichen Vektorkardiographie – leicht interpretierbar aufbereitet. So wird der Zustand des Herzens in wenigen Minuten sichtbar. Das macht die Cardisiographie unkompliziert, günstig und vor allem sicher.

Covid-19: Die unterschätzten Folgen für das Herz

Auch für Cardisio stellte sich seit Beginn der Pandemie die Frage nach den Auswirkungen einer Infektion mit Covid-19 auf die Herzgesundheit. Mittlerweile zeichnen die Studien der letzten Jahre ein eindeutiges Bild: Auch einige Zeit nach der Infektion wirkt sich Covid-19 auf die Herzgesundheit aus. Die Folgen sind vielfältig und reichen von Herzrhythmus-Störungen über Herzmuskel-Entzündungen und Blutgerinnseln sogar bis hin zu Schlaganfällen und Herzversagen. So zeigt eine Studie der Goethe-Universität Frankfurt, dass mehr als die Hälfte der Testpersonen nach einer Covid-Erkrankung größere Schäden am Herzen aufweisen, als durch hohen Blutdruck oder Diabetes entstehen. Ähnlich wie beim Herzinfarkt sind auch post-covid bedingte Herzerkrankungen nur schwer erkennbar, da zumeist keine oder nur diffuse Symptome auftreten. Natürlich variiert die Symptomatik von Person zu Person, doch auch viele junge und bislang gesunde Menschen zeigen nach einer Infektion Auffälligkeiten am Herzen. Selbst diejenigen, die einen vermeintlich milden Krankheitsverlauf hatten und während der Infektion nicht hospitalisiert werden mussten, sollten sich dem Risiko einer Covid-Infektion für die Herzgesundheit bewusst sein. Hier eignet sich die Cardisiographie ebenfalls hervorragend, um covid-bedingte Herzerkrankungen auszuschließen bzw. zu erkennen.

Schritt für Schritt zur Revolution in Sachen Herzgesundheit

Als Medizin-Startup gelten für Cardisio besonders strenge Regelungen und Zulassungsverfahren. Doch das Unternehmen macht große Fortschritte: Nachdem die Kosten für die neue Präventionsmaßnahme bislang nur von privaten Krankenkassen beglichen wurden, gelang Anfang 2023 ein wichtiger Meilenstein: Seit Januar dieses Jahres übernehmen auch die ersten gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für den Herz-Screening-Test. Weitere Krankenkassen werden diesem Beispiel zeitnah folgen. Das Vertrauen in die neue Methode wächst also sukzessive.

Außerhalb Deutschlands ist man in Sachen Herzprävention bereits einen Schritt weiter. In einem spannenden Pilotprojekt nimmt der Inselstaat Mauritius diesbezüglich eine Vorreiter-Rolle ein. Dort wird die Cardisiographie demnächst flächendeckend als Standartpräventionsmaßnahme eingesetzt und löst damit das traditionelle EKG ab. Dieses ambitionierte Ziel hat sich Cardisio auch in anderen Regionen gesetzt. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, doch die jüngsten Fortschritte stimmen Meik Baumeister optimistisch: „Wir sind stolz und dankbar, dass wir dazu beitragen dürfen, die Herzvorsorge in Mauritius auf sichere Beine zu stellen. Wir sind zuversichtlich, dass bald weitere Länder dem Beispiel von Mauritius folgen und sich ebenfalls an der notwendigen Trendwende auf dem Gebiet der Herzvorsorge anschließen“.